CO129-166 - Public Offices & Others - 1873 — Page 613

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nannten Brocef Kwok-a-Sung einen winesischen Kuli freigesprochen zu haben von der Auflage des Todtschlage und der Meuterei gegen den Capitain eines antischiffee. Es wurde angenommen, daß unter den obwaltenden Uut ftänden gewaltsame Befreiungeversuche auf hoher ce nur ale berechtigte Nothwehr augcjchen werden konnten.

Und wie oft werden berartige Versuche unternommen! Unterliegen die empörten Kulis ber meilens trefflich bewaffneten Schiffemamıschaft. so ist das Schifffal der Ueberlebenden um so schrecklicher. Behalten die Kulis die Oberhand, so schonen sie nur das Leben derer, welche erforderlich find, dat Schiff in den nächsten circfifchen Hafen zurückzusteuern.

"Eine etwas peränderte Gestalt zeigt der Menschenhandel in der Südsee. Dort seblen mancherlei Rücksichten, die an den Kirsten Chinas genommen werden müssen. Rober und gewaltsamer vermag der Menschenfänger der Südsee zu verfahren. Auf dent unermeßlichen Seegebiet Bolonefiens (Austro- lien) ist eine Ueberwachung so gut wie unmöglich. Ticfer ist der Bildings. stand ber zum staatlichen eben noch nicht vorgeschrittenen Infulaner. Die hauptsächlichsten Absakpuntte für den schwarzen Bogelfang" find die nörd lichste der englischen Austral-Colonien, Queensland, die französischen Bespun gen von Neu-Caledonien und die Fidschi-Inseln, auf denen sich neben ber eingeborenen Bevölkerung in den leßten Jahren zahlreiche Engländer und Franzosen niederließen, um unter König Katoban's conftitutioneller Regierung ihre Geldbeutel möglichst schnell z füllen. Was zur Abstellung der scheuß lichsten Berbrechen des Menschenfangs bisher von der englischen Colonial regierung oder von der Marine unternommen wurde, hat sich als eitle Spiegelfechteret erwiesen.

Das Berfahren, das beim Einfangen der polynesischen Kulis beobachtet wird, ist in der Regel dices: Sobald in der Nähe der Insel ein frembes Schiff vor Anter geht. finden sich die Eingeborenen auf ihren Booten ein, am Tauschhandel zu treiben. 3ft dies geschehen, so werden durch allerlei Beranstaltungen die Eingeborenen entweder auf das Verbed geloft, wozu mar als Fotoögel einige farbige mit sich führt, und alsdann eingefangen. Cber die Boote der ingeborenen werben von der Schiffsvejaßung mittelft forgfältig vorbereiteter Veranstaltung zum Umschlagen gebracht. Die alsdamm Eviminenden werden durch Schrotichusje leicht verwundet oder mit Schlin gen jo lauge gewürgt, auch mit Beulenjchlägen betäubt, bis man he an Bord gebracht hat. Einzelne Menschenfänger vertleiden ich ale Missionare, ver theilen werthlose Kleinigkeiten, tomen fromme Gefänge au und täuschen dadurch die arglosen Infulaner. It ble Labung ausreichend, so werden die Eingefangenen durch Zwangsmittel aller Art belehrt, mittelst Aufhebung mehrerer Finger und Herfagens einer entsprechenden Biffer, beispieleweise Dret" oder „vier", die Anzahl von Jahren auszudrücken, für welche fte sich freiwillig verbungen haben. Sobald alsdann der revidirende Conful in einem englische Hafen die Eingefangenen mustert und besichtigt, verfahren dlese „vorschriftömäßig nach der ihnen gewordenen Dressur: Alles wird anilich in Croning befunden und das Geschäft ist besorgt. Es ist unvermeidlich daß auch in der Südjee von den Eingefangenen Befreiungsversuche mit meißtentheils unglüdligen und blutigem Ausgänge unternommen werden,

Den besten Mufschluß aber den hergang der Sache bietet die Geschichte des Piratenschiffes "star" und der Strafproces, welcher im Herbste 1872 theils in Sydney, theils in Melbourne gegen die Schuldigen verhandelt wurde. Zwei der Betheiligten, darunter der Capitain Armstrong, wurden in Sydney zum Tode vertheilt; der Hauptschuldige, der Eigenthümer des Schiffes, ein Doctor der Medicin, blieb unverfolgt, nachdem er sich in seiner Eigenschaft als Denunciant die Straflosigkeit als Königszenge” durch einen englischen Consul hatte versprechen laffen, Dr. James Patrick Murray, so hich der Nichtswürdige, egelte im Juni 1871 mit dem „Karl" nach Scouta auf den Fidschi-Inseln, wesselte dort aus Borsicht die Schiffsbesaßung und begab sich auf zwei Unternehmungen oder Geschäftsreisen. Auf einer biejer Meijen brach unter den geraubten Insulanern ein Aufstand aid. Sie be nigten sich einiger fühle von Schiffsplanten, gingen ihren Beinigern zu verbe, murten aber burd) ben Gebrauch der Schußwaffen in ihren Käfig uater Dect zurückgetrieben und hier eingenagelt. Nicht nur die zahlreichen Todten wurden den Wellen preisgegeben, sondern auch sechszehn Schwerver- wundete, an Händen und Füßen gefnebelt, über Word geworfen und gleich neugeborenen Kaßen erjäuft.

Während die bereits Ueberwundenen eingesperrt waren, lies Dr. Mur ray durch den Schiffszimaermam ein zollgroßes Vech burch die Blanken bohren. In aller Bequemlichkeit und ungefehen feuerte er durch diese Ceff- nung seine Herolvertageln unter den in der Dunkelheit zusammengeballten Menschenfuluel. Fünfunddreißig Todte wurden später über Bord geworfen. Die Ueberlebenden, bei ihrer Ankunft im Ausschiffungshafen gemustert, er lärten, in üblicher Beise auf dret Sabre contractlich gemiethet zu sein, und wurden durch die inspicirenden Behörben" jämmtlich in gehöriger Ordnung vefunden. Dr. Murray behielt seinen Geschäftsgewinn. Ein Mitglied der gefeßgebenden Berjammlung pon Adelaide in Südaustralien, Herr Blackmore, berichtete in englischen Journalen über diesen Fall mit dem Bemerten, daß alle erdenklichen Maßregels der Aufsicht vergeblich sein würden und daß eð mur ein einziges wirkhames littel gebe: völliges, abfolutes Verbot der Menschenelufuhr. Bergleitt man Murray's That mit derjenigen der fürch terlichten Verbrecher, so wird man sagen dürfen, rapmann's Morsthat, durch welche ganz Europa erschüttert wurde, fel boch ein Kinderspiel gewesen gegenüber der teuflischen Bosheit, welche aus sicheren Hintechaft durch ein Loch zum Vergnügen in wehrlose Menschenhaufen hineinfeuert und Schwer verwundete hinterher in die See werfen läßt. Daß die aufgebrachten Süd- seeinjulaner von Zeit zu Zeit an irgend einem beliebigen Weißen einen Vict ber Blutracie vollziehen, ist nicht zu verwundern. Bischof Patterson fiel in seiner missionaren Thätigkeit als eines der Opfer für die Schandthaten An deter. Dieser ausgezeichnete Geiftliche benterfte übrigens aus Aulaß des Menschenfanges. co jei empörend sowohl als lächerlich, von „Arbeitscontrac ten" u sprechen; feiner der Südfecinfulanter sei im Stande, ben Begriff des Contractes zu verstehu.

War der alte Eularenbandel au den afrikanischen Küften im Vergleich u diesen Unternehmungen nicht ein ehrliches Gewerbe? 3h meine, ja!" Da

male faufte der Sclavenhändler von einem ficgreichen Negerhäuptling die Kriegsgefangenen, die er nach barbarischer Sitte einfach hätte abschläche foumen. Dem afrikanischen Sclaven ward durch Anlauf das Leben gereft Der aftalische Kulthandel ist nicht blos Gewaltthat, sondern mehr als ar barri. Es ist jener schnöde, die Formen des Rechts äußerlich nachahmende, aber bie Gerechtigkeit schändende Hohn auf die Menschheit, den man zu den schwersten Sünden gegen den heiligen Geift zu zählen hat.

Den Negerhandel nach Amerika haben die Staatèverträge unterdrüdt, Eben jest versucht man, den Negerhandel nach fien von der afritanischen Ostfäfte abzuschneiden. Und den Kulihandel sollte das neunzeljute Jahr hundert nicht als eine Schmach empfinden? Ihr Kirchenfreunde sendet Miffionen unter halbuacte Wilde, um fie mit der chriftlichen Dogmatit und beni Katechiens bekannt zu machen. Aber Ihr schweigt dazu, wenn christ- liche Regierungen durch ihre Bildung jene Verbrechen ermuthigen, ohne welche der stulthandel nicht dentbar ist. Sendet vor allem Andern die Buten der christlichen Liebe in die Hauptstadt von Portugal und unter die Pflanzer von Cuba, nach ima oder Demerara! 3hr Euäfer und Boltsbeglüder haltet Friedentcongrefje, um den Krieg zu brandmarlen, der für die heilig. ften Zutereffen einer Nation geführt wird, obwohl er die Eniturvölter bod immer nur als schnel.porübergehende Geißel bedroht. Bedenti doch, daß Ihr erst die Gennungen ausrotten müßt, aus denen der Kulthandel hervorgeht ehe Ihr von den Anrecht der Menschheit auf friedliche Gefittung sprechen dürft. hr aufherren rebet vou der nach Eftafien mächtig ferischreitenben enro päischen Gultur. Bedenket, daß Ihr in den Augen der Chinesen nicht viel mehr geltet, denn als Opiumhändler ab Menschenräuber. Ihr Freihändler lasjet Ben Russen die Ehre, China die Sclaverei abzuschaffen, und bemüht Euch darzutbun, daß die Nothwendigkeit, für Eure Felder Guano herbeign. schaffen oder aus Deuterara und Westindien Zucker zu importiren, die Sclaverci der Kuli's erfordert! Werdet Ihr vieleicht auch beweijen, daß die volte. wirthschaftlich ungehinderte Bewegung des Seehandels jebe Einialschung is das Transportgeschäft der Kulischiffe verbietet und daß die Ueberführung der Rull's durch ben stillen Decan nichts anderes ist, als eine Mit der Frei zügigkeit zwischen Staften und Amerika?

Die englische Regierung war bisher die einzige, welche, die Bucht schwerer Anschuldigungen fühlend, einige schwächliche, völlig unzureichende Versuche machte, bem invesen bes Kalihandels zu steuern. Über selbst wenn jie thaitráftiger einschreiten wollte, als je unter dem Banne colonialer Zu tereffen thun wird, immer wäre sie außer Stande, allein ohne Weberein. ftiuinig init den übrigen Mächten zum Ziele zu gelangen.

Die beiden Großstaaten, welche wirthschaftlich am Kulihandel am wenigsten intereffirt fine, Deutschland und die notbamerikanische Union, haben die nächste Aufgabe, für die Rechte der Menschheit mit ihrem Eir jajje einzutreten. Wir haben tetne Colonie zu versorgen, teine Pflanzer zu schonen, feinen Widerspruch aus unserer Mitte zu befürchten. Freilich museu wir mit Beschämung eingestehen, daß auch die deutsche Handelsflagge mit dem Mafel der Artheilnahme an dem schimpflichen Gewerbe behaftet ist. Um so großer it unsere Verpflichtung, mis von jeder Mitschuld zu reinigen. Go ist die höchste Zeit, daß durch võtkerrechtliche Verträge ber betrügerijchen Ausbeutung oftasiatischer Antwanderung ein Ziel gesezt, daß insbesondere den Portugiesen in Macas das Handwert gelegt werde. Tritt Deutschland thatfräftig für dieje edie Sache ein und begegnet es ernsthaftem Widerspruche bet anderen Mächten, — wohl, jo bat es die Beruhigung, daß es sein Ge- wissen bewahrt hat, während andere Staaten ich selbst an den Pranger det Weltgeschichte stellen. Ich bin meinerseits nicht befähigt, zu entscheiden, ob durch Bolterverträge die Auswanderung der tulis mit hinreichend jchúzenden Fermen untgeben werden fann oder gänzlich zu unterdrücken ist. Aber das weiß ich, daß das jeßige System der Ueberfahrts- und Urbeite- verträge nicht länger geduldet werden darf, wean irgend eine Gemeinschaft fiftlicher been unter den Culturvölfern förtbestehen "soul. Auf die Zustim mung der Bereinigten Staaten zu einem gemeinschaftlichen Vorgehen ist um so mehr zu hoffen, als diese durch vöuig freie und naturgemäße Einwan berung der Chineser die efia fehlenden Arbeitskräfte auf das Leichteste er feßen tonnen. Ebensowenta bezweifle ich die Mitwirtung der italienifären. viterreichischen und russischen Regierung. In anderem Sinne als ehemals ift gegen den Kulihandel unter den ofteuropäischen Staaten und Rusland eine heilige Allianz zu schließen. Warten wir ab, ob der Geitung der Menschenrechte von Portugal, Spanien und Peru die Vertröjtung auf Guane und Zuckerrohr entgegengefeßt werden wird.

Wie sich bie höchften sittlichen Aufgaben gleichzeitig immer im Verlaufe der Zeiten auch als die rugbrlugenden erweisen, so wird in Wahrheit die Ab- schaffung der neuen mit dem Mißbrauche der Rechtsformen verbrámten Sclaverei" bahiu führen, daß jene Vorurtheile schwinden, die uns den Weg in das Innere Chinas versperren und weldje wir leider angesichts des Kuli handels als unsererseits verschuldet und verdient Bezeichnen müßten. Ich glaube nicht, daß der deutsche Reichstag es über sich vermögen wird, die Sache der Kulis als eine unferer Nation gleichgültige von der Hand zu wetjen. Er hat ausgesprochen, daß das Privateigenthum des Feindes im Scetricge von habgieriger Wegnahme verschont bleiben sollte, obwohl dies nach dem geltenden Völkerrechte gestattet tft. Ind er sollte tein Wort der Näge und der Theilnahme haben, wenn mitten im Frieden Freiheit, Ge hundheit und Arbeitstraft einer mit uns in Frieden lebenden Bevöitering unter betrügerischen Vorstellungen geschädigt und vernichtet werden? Für die Beobachtung der Sonnenfinfterniste in fernen Zonen, für die Ergründung der Mccrcctiefen, für die Durchforschung afrikanischer Wüstenelen, für die Er reichung des Nordpole hätte das deutsche Boit Sinn und Verständniß, und der Wiebercinfuhring der Folter und der Sclaverei im Kulthandel sollte es aleichgiltig zuschauen? Belehren wir doch die Pfaffen, die von der Ent- rlitligung des deutsche Staates so viel fafeln, daß wir deswegen eine chriftliche Nation find, weil wir ben verfolgten Juden Rumäniens beistchen und weil wir die mit üßen getretenen Rechte der Heiden männlich und ent schieden verrhelbigen und riese driftlichen Pflichten unseren Staatsmännern ind Voltsvertretern auf das Gewißen zu legen gefonnen sind.

B.

Dend you buard Krauiein Berlin.

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